Das Konzept
Projektbeschreibung
Charaktersache: 5 Südtiroler Openairs, ihre Identität, ihre Geschichte, ihre Hintergründe … erzählt von Jugendlichen
A) Abstract: Das Netzwerk der Jugendtreffs und -zentren Südtirols (n.e.t.z.), welches über eine mehrjährige Erfahrung im Bereich Video/Film (Filmographie: „Soundcheck-TV Special“ in Zusammenarbeit mit Rai Sender Bozen) verfügt, plant ein medienpädagogisches Projekt mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren.
Im Besonderen soll ein Dokumentarfilm mit dem Titel „5 Südtiroler Openairs: Ihre Identität, ihre Geschichte, ihre Hintergründe … erzählt von Jugendlichen“ gedreht werden. Die Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen bei der Realisierung des Projektes soll in den Mittelpunkt gestellt werden. Hierzu dient auch die Methode des Partecipatory Video, welche den Jugendlichen vor Realisierung des Dokumentarfilmes einen Einblick in die Dokumentarfilmarbeit vermitteln soll. Die Jugendlichen sollen zudem im Laufe des Projektes von Jugendarbeiterinnen/ern begleitet werden.
Die Dreharbeiten für das neue Projekt werden zwischen Mai und Oktober 2010 durchgeführt. Die Fertigstellung ist für Dezember 2010 geplant. Das Thema Musik/Openairs wurde gewählt, da sich hierfür viele Jugendliche, aber auch Erwachsenen, und zwar quer durch alle Schichten und Sprachgruppen, begeistern (lassen können). Der Film besteht aus 5 Teilen zu je 5-12 Minuten. Jeder Teil des Films wird ein anderes Openair in Südtirol dokumentieren. Die Gesamtfilmzeit wird 60 Minuten nicht überschreiten. Inhaltlich wird sich der Film an den Anregungen und Wünschen der beteiligten Jugendlichen halten.
B) Ziel: Ziel ist es die Vielschichtigkeit der offenen Jugend(kultur)arbeit an Hand der Openair-Kultur in Südtirol darzustellen. Wie ist das Openair in der Gemeinde integriert? Wie reagiert die Erwachsenenwelt auf das Openair usw.? Dabei werden örtliche Unterschiede genauso aufgezeigt wie der Umgang der Erwachsenenwelt mit der Jugend(fest)kultur.
Zusätzlich dient das Filmprojekt als Bedarfsanalyse für die Gemeindejugendpolitik. Die Verantwortlichen der betreffenden Gemeinden sollen einen Einblick erhalten, was „ihre“ Jugendlichen sich generell von der Gemeinde, in welcher sie leben, wünschen.
Es geht somit nicht nur um das Dokument Openair, sondern auch um die Beziehung der Jugendlichen zur jeweiligen Gemeinde und umgekehrt. (Was gefällt mir nicht an meiner Stadt/Gemeinde und ungekehrt? Kann ich mich entfalten? Habe ich genug Möglichkeiten? Kann ich diese nutzen? usw.). Es soll auch aufgezeigt werden, ob und wie ein Openair eine Brücke zwischen Jugendlichen, Erwachsenen und Gemeindeinstitutionen baut bzw. bauen kann. Kurzum: Durch Partizipation ein Film voller Musik und Emotionen.
C) Methodik: Der Dokumentarfilm soll gemeinsam mit italienisch-, deutsch- und ladinischsprachigen Jugendlichen dreisprachig (mit entsprechenden Untertiteln) realisiert werden. Die einzelnen Openairs sollen jeweils von Jugendlichen gemeinsam mit Jugendarbeitern/innen eingefangen werden, welche weder dem Organisationsteam des Openairs angehören noch aus der Gemeinde stammen, in welcher das Openair stattfinden soll (der Sarner Jugendliche wird in Bozen filmen und der Bozner im Sarntal, italienischsprachige Jugendliche in mehrheitlich deutschsprachigen Gemeinden und umgekehrt). Maximal sollen auf diese Weise 5 Openairs in Südtirol dokumentiert werden.
Video-Kurs PARTICIPATORY VIDEO: Um die Jugendlichen und Jugendarbeiter/innen auf die gemeinsame Arbeit vorzubereiten, ist – vor der Realisierung des Dokumentarfilmes – ein Videokurs für max. 20 Teilnehmer/innen vorgesehen. Dabei soll die Technik des Partecipatory Video (PV) vermittelt werden. Darunter versteht man eine Methode des teilhabenden Filmemachens. Dahinter steckt auch die Idee, dass Filmemachen einfach von jedermann schnell erlernt werden kann, wobei der einzelne Kursteilnehmer das Erlernte an Dritte auch weitergeben kann und soll. Den Kursteilnehmerinnen/n werden auf jeden Fall Grundkenntnisse in Dreh, Ton und auch Schnitt vermittelt.
Die Videotechnik PARTICIPATORY VIDEO, die im Rahmen dieses Kurses vermittelt wird, basiert somit auf folgenden Grundsätzen: Jede/r einzelne kann einen Beitrag leisten. Jede/r einzelne ist Experte seines Lebens. Jede/r einzelne kann von den anderen lernen. „Partizipation“ bedeutet die Einbindung aller, die im Rahmen ihrer Tätigkeit eine aktive Rolle spielen. Die Beteiligten selbst legen fest, wer miteinbezogen wird. Sie nehmen Ansichten und Gedanken auf, die gemeinhin ansonsten ungehört bleiben. Partizipation fördert den Lernprozess. Eine gelungene Partizipation bedeutet, dass sich die/der Einzelne durch Einsatz seiner Logik, seiner Worte, seiner Analysen und Gedanken den Prozess zu Eigen macht. Der
Prozess selbst wird von allen gemeinsam ausgearbeitet, wobei jeder von einem anderen Hintergrund ausgeht.
Kommunikation ist der Schlüssel zum Aufbau einer harmonischen und von allen mitgetragenen Gemeinschaft. Partizipation bildet einen Lernkreislauf: jeder Schritt bestimmt den nächsten. Dies braucht Flexibilität und Zeit zum Nachdenken. Eine rigorose und ethische Vorgangsweise. Die Beteiligten analysieren konstant die geleistete Arbeit und legen fest, wie Entwicklung und Ergebnisse geprüft werden können. Die Medien werden zum Sprachrohr, mit dem sich jeder Jugendliche Gehör verschaffen kann. Eine gelungene Partizipation definiert die Rolle der zwischenmenschlichen Beziehungen und stärkt die Schwachen.
Kurzum: Partecipatory video ist der aktive Einsatz audiovisueller Medien und neuer Videotechnik, um sich selbst, sein Umfeld, seine Arbeit und seine Projekte darzustellen. Regisseur/in und Kamerafrau/mann übernehmen die Rolle von „Facilitators/Mediatoren“: sie versetzen andere in die Lage, sich selbst in einem Film darzustellen. Die so gedrehten Filme wollen nicht als Kunstwerke sondern „nur“ als Zeugnis einer individuellen Situation verstanden werden. Im Vordergrund steht somit die gemeinsame Aktion von Jugendlichen und Jugendarbeitern aus dem gesamten Land.
Das auf diese Weise zusammengetragene Filmmaterial dient schließlich zur Fertigstellung des Filmprojektes. Ein professioneller Cutter wird den Film mit den Jugendlichen gemeinsam fertig schneiden. Der Film soll bei verschiedenen Gelegenheiten gezeigt werden.
D) Zum organisatorischen Ablauf: Im Rahmen von Treffen der italienischen und deutschen/ladinischen Offenen Jugendarbeit wird das Projekt (Dokumentarfilm und PV-Videokurs) vorgestellt. Darüberhinaus soll ein „Schnupperworkshop“ abgehalten werden, um einen ersten Einblick in die Video- und Filmarbeit zu gewinnen. Aus diesem Treffen sollen sich (etwa) 5 Teams bilden, welche gemeinsam das Filmprojekt vorantreiben sollen. Diese 5 Teams sollen sodann gemeinsam den Partecipatory-Video-Kurs besuchen. Ziel ist es, den Teilnehmenden Grundkenntnisse im PV zu vermitteln sowie gemeinsam den Film, welcher im Sommer gedreht werden soll, vorzubereiten.
E) Dokumentarfilm: Die Kursteilnehmer/innen werden in weiterer Folge gemeinsam mit den Jugendarbeiterinnen/n somit die Dokumentation über die Openair-Kultur in Südtirol machen. Die Jugendlichen können dabei die bereits im Vorfeld, i. b. die im Rahmen des PV-Kurs erlernten Fähigkeiten in die Praxis umsetzen.
Gemeinsames Erkunden der „Location“: Ein wesentlicher Bestandteil des Dokumentarfilmens ist das Kennenlernen des Umfelds vor dem eigentlichen Dreh. Hierzu fahren die Jugendlichen und Jugendarbeiterinnen/Jugendarbeiter gemeinsam vor dem Event zu den Organisatoren des Openairs. Mit diesen besprechen sie Details, Ablauf, sehen sich um, machen sich ein Bild der Situation. In diesem Stadium können sich noch neue wichtige Inputs für das spätere Drehen vor Ort ergeben (z. B. auch interessante Interviews mit interessanten Leuten). Zudem kann man noch zu diesem Zeitpunkt etwaige Probleme aus der Welt räumen (z.B. besonders schwierige Location zum Drehen).
F) Drehen des Films vor Ort: Jedes Filmteam besteht aus 3 Jugendlichen und einem/r Jugendarbeiter/in. Zusätzlich soll jedes Team einen professionellen Coach zur Seite gestellt bekommen, welcher dem Team bei technischen Fragen Hilfestellung leisten soll. Auch kann/soll der Coach das jeweilige Team bei den Dreharbeiten begleiten.
G) Schnitt des Films: Der Film soll, unter Beteiligung der Jugendlichen, von professionellen Filmemachern geschnitten und nachbearbeitet (Ton, usw.) werden.
H) Abschluss: Premiere des Filmes und DVD. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass das Projekt somit, neben dem ergebnisorientierten Arbeiten (Produktion eines Dokumentarfilmes), folgende „long run benefits“ hat:
- Sensibilisierung von Jungendlichen und Jugendarbeiterinnen/n im Umgang mit dem Medium Video.
- Partizipation von Jugendlichen auf Gemeinde- und Landesebene.
- Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Belange der Jugendkultur.
- Management-Fähigkeiten der Partner und der Trägerorganisationen, so wie der beteiligten Jugendlichen und Jugendarbeiter werden gefördert.
- Es können sich neue, weitere Kooperationsmöglichkeiten für die Jugendarbeit ergeben.
- Den Beteiligten werden Grundkenntnisse in Filmtechnik vermittelt. Sie sind aktiv dabei, wenn ein (Dokumentar-)Film produziert wird.
I) Follow up: Anschließend an die Realisierung des Dokumentarfilmes (somit frühestens im Jahr 2011) plant das n.e.t.z. eine Vertiefung der aus dem Dokumentarfilm gewonnenen Erkenntnisse und Themen (Partizipation, Jugendkultur, politische Bildung usw.) mit Hilfe der Kurzfilmtechnik. Dadurch wird den Teilnehmerinnen, aber auch neuen Interessierten, die Möglichkeit geboten, die gewonnenen Erkenntnisse und Themen in kreativer Weise in Form eines Kurzfilmes aufzuarbeiten.
Prad am Stilfser Joch, am 14.01.2010 | Hanno Raifer (n.e.t.z.)